Problematische Mitgliederstruktur im deutschen Golfsport

Am 17. Januar war es wieder einmal so weit. Der Deutsche Golf Verband (DGV) veröffentlichte die aktuelle Mitgliederstatistik des Golfsports in unserem Land. Die Veröffentlichung wurde von einem Anschreiben begleitet, indem keine ernsthafte Interpretation der Mitgliederzahl vorgenommen wurde. Der DGV teilte lediglich mit:

Anlässlich seines traditionellen Jahresauftakts auf der Messe CMT Stuttgart am 17. Januar 2024 präsentierte der Deutsche Golf Verband (DGV) die aktuellen Zahlen und Entwicklungen im Golfbereich. „Mit 682.126 registrierten Mitgliedschaften auf unseren Golfanlagen bleiben wir auf einem sehr hohen Niveau, der zweithöchsten Gesamtzahl in der über 115-jährigen Verbandsgeschichte“, stellte DGV-Präsident Claus M. Kobold die für die gesamte Branche wichtige Zahl vor.

„In einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Zeit ist es unseren Golfanlagen gelungen, die Attraktivität des Golfsports hoch zu halten. Ein Rückgang der registrierten Mitgliedschaften um lediglich 0,1 Prozent im Vergleich zum Allzeithoch des Vorjahres ist ein beachtliches Ausrufezeichen“, führte Kobold beim DGV-Medien- & Branchentreffen aus. Nach wie vor rangiert der Golfsport damit auf Position acht im Ranking der Olympischen Spitzenverbände Deutschlands. „Dennoch spüren auch unsere Golfanlagen ganz deutlich, dass Mitgliedergewinnung und Mitgliederbindung eine große Herausforderung der Zukunft bleiben werden, um stabil wirtschaften zu können“, ergänzt Achim Battermann, Stellvertretender DGV-Präsident. Entsprechend bewerten die DGV-Mitglieder im DGV-Golfbarometer Herbst 2023 die wirtschaftliche Lage mit einem Index von nur noch +21,2 gegenüber +29,9 im Vorjahr. Dabei stellt der Index die Differenz der zahlenmäßigen Nennungen „gut“ und „schlecht“ dar.
(Quelle: https://newsletter.dgs.golf-dgv.de/mailing/47/7224950/3712838639/789/a266ef9bee/index.html )

Neben dieser rudimentären Analyse wurden in der „digitalen Pressemappe“ des DGV die üblichen weiteren Statistiken veröffentlicht. Diese verdeutlichen die Probleme, in denen der organisierte deutsche Golfsport steckt, allerdings auch nicht detailliert. Aus unserer Sicht bleibt es nach wie vor nicht nachvollziehbar, dass die Gruppe der über 60-Jährigen nicht aufgeschlüsselt wird. Diese größte Altersgruppe stellt fast 43 Prozent aller registrierten Golfer im DGV. Aufgrund des „Ausscheidens aus Altersgründen“ ist die Altersverteilung innerhalb dieses Personenkreises somit besonders interessant.

Um die zunehmende Überalterungsproblematik des deutschen Golfs noch einmal deutlicher zu veranschaulichen, haben wir die Daten der letzten 10 Jahre in einer Grafik zusammengefasst. Dies verschafft uns einen besseren Eindruck über die sich verändernde Altersverteilung.

Quelle: https://serviceportal.dgv-intranet.de/marketing-betrieb/markt-daten/allgemeine-statistiken.cfm

Diese Darstellung verdeutlicht die Dynamik der demografischen Entwicklung im Golf. Um eine noch bessere Vergleichbarkeit zu erreichen, haben wir die Altersgruppen zusätzlich auch noch einmal in 20 Jahreszeiträumen gruppiert.

Die Entwicklung der Mitgliedschaftszahlen der „Golfer bis 40 Jahre“ in den letzten 5 Jahren, ist sehr positiv zu sehen. Hier gibt es durchaus Chancen, der Überalterung etwas entgegenzusetzen. Dieses Thema werden wir hier jedoch nicht weiter vertiefen, sondern zu einem anderen Zeitpunkt in einem weiteren Artikel noch einmal näher beleuchten.

Im Rahmen der Betrachtung der DGV-Zahlen bleibt eine zweite Sache leider weiterhin vollkommen unklar. Die Verteilung der Golfer auf die verschiedenen Mitgliedschaftsformen. Hier ist die statistische Trennung von Fernmitgliedschaften und clubgebundenen Mitgliedschaften besonders interessant. Die Anzahl der Fernmitgliedschaften und vergleichbarer Formen entwickelt sich in den letzten Jahren sehr positiv. Einen Beleg dafür liefern die Zahlen der, vom DGV unterstützten, Vereinigung clubfreier Golfer (VcG), deren Entwicklung wir einmal zusammengefasst haben.

Wuchs die Mitgliederzahl im DGV zwischen 2018 und 2023 um 6,21 Prozent, so kam die VcG in diesem Zeitraum auf fast 25 Prozent Steigerung der Mitgliederzahlen. Neben der VcG, als ein Anbieter solcher clubungebundenen Mitgliedschaften, berichten auch andere Fernmitgliedschaftsvermittler von eine starken Wachstum in den letzten Jahren.

Quelle: Fernmitgliedschaft: 55 Golfclubs & Anbieter im Vergleich – Golf Fernmitgliedschaft (fernmitgliedschaft-golf.de)

Die oben stehende Grafik verdeutlicht: Clubgebundenes Golf befindet sich im Sinkflug. Laut Verfasser hatten wir in Deutschland in 2021 ca. 220.000 Fernmitglieder, mit weiter stark steigender Tendenz. Damit blieben noch ca. 454.000 clubgebundene Mitglieder in 2021 übrig. Bei aktuell 725 Anlagen in Deutschland, bedeutet das im Mittel 626 clubgebundene Golfer, inkl. der Kinder und Jugendlichen sowie aller weiterer Mitgliedschaftsformen. Der Anteil der wichtigen Vollmitgliedschaften ist also pro Anlage noch deutlich geringer. Wie den untenstehenden DGV-Statistiken zu entnehmen ist, muss damit eine 18-Loch-Anlage (Mittelwert) bewirtschaftet werden.

Bei erheblich steigenden Betriebskosten, in die Jahre kommenden Plätzen und einem vielfach vorherrschenden Investitionsstau, kann diese Mitgliederzahl kaum noch ausreichen, um den Betrieb einer Anlage zu sichern. Dass heute viele Golfclubs, deren Mitgliederzahl sogar weit unter diesem Durchschnittswert liegt, längst tief in einer Krise stecken, wird viel zu selten kommuniziert und in vielen Fällen haben die Verantwortlichen das Ausmaß des eigenen Problems noch nicht erkannt.

Klar ist jedoch, der organisierte deutsche Golfsport steckt, wie die gesamte Gesellschaft, in einer tiefen demografischen Krise. Aus unserer Sicht können dieses Problem aber nur die Golfanlagen selbst lösen. Auch wir sind, wie so viele, der Meinung, Golfverbände müssten viel zielgerichteter unterstützen, aber letztendlich müssen die Verantwortlichen auf den Anlagen handeln, das wird ihnen keiner abnehmen.

Viele Golfclubs müssen sich professioneller aufstellen, moderner kommunizieren, mitgliederorientiert arbeiten, gesunde administrative Strukturen und Abläufe schaffen und einen kundenorientierten Service bieten. Wenn sie das machen, haben sie eine gute Chance wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Wir sind davon überzeugt: Golf ist und bleibt ein unglaublich attraktiver Sport, der das Potenzial hat sich im Wettbewerb der Freizeitangebote zu behaupten.

Sebastian Hochbaum
Golfclubmanager / MD
leadgolf GmbH
sh@leadgolf.de
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